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Es summt in Beelitz – Bienen sind mehr als Honig

Mehr als Honig

Die Stiftung Naturschutzfonds begeht im Jahr 2015 das Jubiläum ihres 20 jährigen Bestehens. Aus diesem Anlass bieten die Mitarbeiter der Stiftung, die in verschiedenen Projekten arbeiten, als Einblick in ihre Arbeit 20 Veranstaltungen  an. Diese finden im gesamten Land Brandenburg statt.

Am 07.05.2015 wurde in Zusammenarbeit mit der Ökofilm-Tour im Tiedemannsaal der Naturfilm „More than Honey“ gezeigt, um auf die Problematik des weltweiten Rückgangs der Bienen hinzuweisen.

Eines der wichtigsten Naturwunder unserer Erde schwebt in höchster Gefahr:
die Honigbiene. Das fleißigste aller Tiere verschwindet langsam. Es ist ein mysteriöses Sterben, ohne Geschrei, aber weltweit mit Sorge beobachtet. Denn ein Leben ohne die Biene ist undenkbar. Sie ist die große Ernährerin der Menschen.

Im Film wurde die Bedeutung der Bienen sehr deutlich – und die Gefahren für die Bienen. Am Beispiel der USA wurde deutlich, wie vernichtend die industrielle Produktion von Nahrungsmitteln für die Tierart ist. In Plantagen – hier als Beispiel die Mandelplantagen – wurde sichtbar, wie die Bienen sterben, wenn die Giftspritze durch die Plantage fährt, wenn die Völker über tausende Kilometer im LKW transportiert werden und Stress erleiden.  Es gab aber auch Berichte, wie man sich naturnah mit der Bienenhaltung beschäftigen kann und dennoch (oder gerade deshalb??) gute Honigprodukte kleinteilig erzeugen kann.  Unsere Bienen sind bedroht durch Milben, Parasiten und landwirtschaftlichen Gifteinsatz.

Die anschließende Podiumsdiskussion, in der Experten wie  Dr. Jens Radtke (Länderinstitut für Bienenkunde in Hohen Neuendorf),  Holger Ackermann, Sprecher des Landesverbandes der Brandenburgischen Imker,  Frau Kordula Isermann (Naturparkleiterin Nuthe-Nieplitz) , Frau Claudia Brandis (Verein „Blühende Landschaften“)  teilnahmen, brachte sehr klar zum Vorschein, was unseren Bienen fehlt und was wir alle wissentlich oder unwissentlich jeden Tag zerstören:

1. Blühflächen mit Blüten, die ausreichend Nektar liefern – unsere Bienen haben besonders in den Sommermonaten Hunger, im Juli und August gibt es unzureichend Nahrung! Diese Aussage überraschte alle Teilnehmer. Denn im Sommer blüht es doch überall – ja, aber der Nektarertrag ist zu gering, die Artenvielfalt in der Umgebung ist zu gering. Die Blüten werden durch die Imker eingeteilt in Klassen 1-4, je höher die Zahl umso mehr Nahrung bietet diese Pflanze den Bienen an. Fragen Sie doch einfach mal bei Ihrem nächsten Kauf von Pflanzen nach.

2. Keine Anwendung von Spritzmitteln, um sogenanntes Unkraut zu vernichten! Und es hilft dann auch nicht, 5 Meter „Blühstreifen“ neben die Felder zu setzen – denn bei jeder Spritzung der Felder weht der Wind das Spritzmittel auch auf die benachbarten Flächen. Also verzichten Sie im privaten UND im öffentlichen Bereich auf Herbizide jeglicher Art - Roundup UltraMax, Roundup Ultra /Roundup Roto,  Glayfos TF Classic  und wie sie alle heißen. Auch wenn sie greifbar in den Baumärkten stehen – Sie müssen die nicht kaufen. Nicht erwünschten Wildkräutern kann man auch anders zu Leibe rücken, Fruchtfolgen vermindern sie, manuelle Entfernung und häufiges Hacken kräftigt dabei noch Ihre eigene Gesundheit.

3. Früher gab es Ackerraine, die durch ihre Buntheit auffielen – da waren alle Farben durch eine große Vielfalt der Wildkräuter vorhanden. Diese Flächen sind wichtig für die genetische Reserve, die wir sonst langsam ausrotten. Solche Flächen schaffen Sie in Ihrem eigenen Garten, wenn Sie „einfach mal wachsen und verrotten lassen“.

4. Und fragen Sie Ihren Lieblingsimker: „Fütterst Du Deine Bienen im Winter mit Honig?“ – denn im Winter mit Honig ernährte Völker sind gesünder – Zuckerwasser alleine tut ihnen nicht gut.

Der Film hat mich erschüttert, die gezeigten Beispiele waren auf der einen Seite grausam, auf der anderen Seite keimt aber auch Hoffnung auf. Hoffnung, dass wir uns auf einen natürlichen Umgang besinnen mit – Pflanzen, der chemischen Keule, dem eigenen Garten und dem öffentlichen Grün, was in Zukunft vielleicht unser öffentliches Blühgebiet heißt.  Der Film kann sicher auch nochmal gezeigt werden – wenn Sie Interesse haben, machen Sie einen Termin aus.

Dr. Elke Seidel, Filmbesucherin und Umweltmedizinerin
www.elke-seidel.de

http://www.naturschutzfonds.de