Sie sind hier

Viel hilft nicht viel – im Gegenteil

Blumenstadt Mössingen, die auf vielen öffentlichen Flächen und Straßenrändern Blühstreifen angelegt hat

Ein Plädoyer für Blühstreifen in der Landschaft

Unsere Kulturlandschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verändert. Die Nutzung unserer Umwelt ist in jeder Hinsicht intensiver geworden. So ist die Landschaft mittlerweile fast blütenlos. Wildkräuter und Wildblumen werden bekämpft und sind nur noch selten zu finden.  Die Landwirte spritzen und spritzen  - heute Glyphosat (Handelsname Roundup – Entlaubungsmittel, was in Vietnamkrieg eingesetzt wurde und viele Verstümmelungen an Neugeborenen erzielt hat!!) morgen ein anderes „Schädlingsbekämpfungsmittel“.

 Warum? Wie beim Menschen durch Arzneimittel insbesondere Antibiotika Resistenzen bei Bakterien erzielt werden, so werden auch die sogenannten Schädlinge sich an die Mittel anpassen – was sie nachweislich auch tun. Und die Gifte sickern langsam aber sicher in unser Grundwasser. Aber nicht nur die „Schädlinge“ verändern sich – die Nützlinge (Bienen, Wildbienen, Schmetterlinge usw.) leiden und sterben durch diese Chemikalien.

Aber für unser Leben brauchen wir diese Nützlinge – die Entwicklung ist jedoch mit verheerenden Folgen für unsere Insekten verbunden, deren Nahrungsangebot somit weitestgehend vernichtet  wird. Folge ist, dass viele Insektenarten wie z.B. Schmetterlinge, Käfer, Grashüpfer oder auch Wild- u. Honigbienen vom Aussterben bedroht sind. Insekten sind jedoch für einen intakten ökologischen Kreislauf von enormer Bedeutung. Insektenbestäubung erhöht nicht nur enorm den Ertrag der Kulturpflanzen, sondern ist auch essentiell für die Erhaltung unserer Wildflora, die wiederum die Lebensgrundlage vieler anderer Kleinstlebewesen ist. Diese Kleinstlebewesen dienen wiederum den Insektenfressern (z.B. Vögeln) als Nahrung.

Insbesondere gelten die Bienen als eine der „wichtigsten Tierarten“ auf unserer Erde, da sie für die Bestäubung sehr vieler Pflanzenarten (incl. unserer Nutzpflanzen) verantwortlich sind und von keiner anderen Tierart ersetzt werden können. Ohne die Biene wäre die Artenvielfalt an Pflanzen und Tieren geringer, unsere Umwelt einfältiger und ärmer sowie unser Nahrungsangebot deutlich eingeschränkt.

Durch die negative Entwicklung unserer Kulturlandschaften haben sich jedoch in den letzten Jahrzehnten die Lebensbedingungen der Blüten bestäubenden Insekten dramatisch verschlechtert.

Deshalb meine Anregung und Bitte: Lassen wir Vielfalt zu!
Durch das Anlegen von Blühflächen wird zahlreichen Insekten eine unersetzbare Nahrungsquelle geboten. Somit soll der Schutz von Insekten verbessert und der erschreckenden Entwicklung des Artensterbens Einhalt geboten werden.

Bei Blühstreifen handelt es sich um streifenförmige Einsaat von (einheimischen) Wildkräutern und -blumen. Naturfachliches Ziel ist es, durch die Vernetzung von Blühstreifen in einem verarmten Landschaftsraum, die Strukturvielfalt dauerhaft zu erhöhen. Nur so können Lebensräume und Nahrungsquellen für Insekten und weitestgehend für den Menschen geschaffen werden.

Darüber hinaus haben Blühstreifen eine wichtige Bedeutung für die Bereicherung des Landschaftsbildes und bieten einen herrlichen Anblick. Dazu kommt eine Kostenersparnis, weil die Pflege von Blühwiesen langfristig kostengünstiger ist als von Grünstreifen. Aber nicht nur die Stadt soll einen Beitrag zum Naturschutz leisten, auch Landwirte sollen motiviert werden, Naturschutz mit in ihre Arbeit zu integrieren. Es existieren bereits einige Förderprojekte des Bundes, welche den Landwirten beispielsweise Fördergelder für die Anlegung von Blühflächen bzw. Blühstreifen auf den Seitenrändern oder die naturnahe Nutzung ihrer Ackerflächen anbieten. Diese Maßnahmen sollten den Landwirten, aufgrund der bereits genannten Gründe, von der Stadt ausdrücklich empfohlen werden.

Ich danke Dr. Renate Knauf aus  Würselen für inhaltliche Unterstützung und Überlassen des Bildes.

Dr. Elke Seidel, Umweltmedizinerin
Stadtverordnete Beelitz
07.11.2014

Foto:
Hier ein Beispiel:  Blumenstadt Mössingen, die auf vielen öffentlichen Flächen und Straßenrändern Blühstreifen angelegt hat und dadurch neben einem hohen Bekanntheitsgrad auch schon im Jahr 2001 eine Goldmedaille beim Bundeswettbewerb der Entente Florale gewann