Sie sind hier

Ein grüner Papst veröffentlicht eine Lehrschrift (Enzyklika) zum Umweltschutz

«Die Erde, unser Haus, scheint sich immer mehr in eine unermessliche Mülldeponie zu verwandeln.»

Oder erkennt er nur die Zeichen der Zeit und zieht die erforderlichen Konsequenzen?

Der Papst Franziskus ist besorgt um die Zukunft der Welt. Mit seiner Schrift Über die Sorge für das gemeinsame Haus befasst er sich mit den Themenbereichen  Umwelt,  Klimaschutz und  soziale Ungerechtigkeiten in der Welt und weist deutlich auf die Erschöpfung der natürlichen Ressourcen. Und er benennt die knappen Ressourcen wie Kohle, Erdöl und auch Erdgas, Boden und Wasser. Er lehnt in seinen Worten die  Ausbeutung der dritten Welt ab, erwähnt auch den übermäßigen Konsum der Industrieländer.  Wird die Enzyklika ein Aufruf zu einem weltweiten Umdenken werden  – wie die Medien schreiben?  

Ist diese Schrift nur wichtig für Kirchengemeinden oder berührt sie auch jeden Einzelnen von uns?  „Wir wissen, dass die Technologie,  die auf umweltschädlichen fossilen Brennstoffen beruhen – insbesondere Kohle, aber auch Öl und, in geringerem Umfang, Gas – schrittweise und ohne Verzögerung ersetzt werden muss.“  wird die Enzyklika in mehreren Medien zitiert. Schrittweise, aber unverzüglich: das ist ein Begriffspaar, das zeigt, wie ernst die Situation ist.  Schrittweise – aber unverzüglich. Und unverzüglich bezeichnet dabei, alle Handlungen an die Erfordernisse anzupassen – Handlungen sind aber vom Wissensstand jedes einzeln handelnden Menschen abhängig. In dieser Zeit müssen wir aber nun mal annehmen, dass sich Jeder selbst informieren und aus allen Argumenten, Gutachten und Studien auch die richtigen Schlüsse ziehen kann – wenn er will. So wie jetzt die Debatte um die sogenannte Kohleabgabe Wellen schlägt und insbesondere die Politiker mit einem C (christlich)  oder einem S (sozial) dagegen wettern und bereits kleine Schritte ausbremsen – so darf es nicht weitergehen. Wenn wir es ernst meinen mit dem Satz: Wir haben die Erde nicht von unseren Eltern geerbt – sondern von unseren Kindern geliehen – dann sollten wir auch so handeln. Die Menschen sollen in ihren Regionen leben bleiben und dort arbeiten – Klimapolitik ist auch die Flüchtlingspolitik der Zukunft.

Alle Punkte des Klimaschutzes werden  in der  Laudatio si („gelobt seist Du“) bedient, und es ist sicher nicht zufällig, dass Professor Schellnhuber vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung an diesem Brief an die Christen der Welt mitgearbeitet hat. Ich bin der festen Überzeugung: Diese Lehrschrift muss die Welt verändern – dann haben wir vielleicht die Chance, gemeinsam unseren Kindern die geliehene ERDE gesund zu übergeben. Die Schrift sollte  auch in Beelitz einiges bewirken. Papst Franziskus: „Wir Gläubigen dürfen nicht aufhören, Gott um das positive Vorankommen in den aktuellen Diskussionen zu bitten, damit die kommenden Generationen nicht unter den Konsequenzen fahrlässiger Verzögerungen (durch uns) leiden müssen.“

Ich fordere Sie auf, Konsequenzen zu ziehen:

1. Reduzieren wir das Plastikaufkommen  - Stoffbeutel statt Plastiktüten

2. Konsumieren wir regionale Produkte zum saisonalen Termin, wer anderes möchte, kann dafür mehr bezahlen

3. Nutzen wir die erneuerbaren Energien (Sonne) um Warmwasser zu erzeugen und die Heizung zu unterstützen

4. Nutzen wir Blockheizkraftwerke, um aus einem Brennstoff zwei Produkte zu erzeugen

5. Senken wir die Betriebskosten durch überlegte Sanierungen von Wohnungen und Häusern.

6. Sparen wir an den natürlichen Grundlagen – wo wir nur können.

7. Halten wir Wasser, Boden und Luft frei von Giftstoffen

Und das soll Spaß machen? Ja, ich bin der festen Überzeugung: Ein vernünftiger Umgang mit allen natürlichen Ressourcen und Nutzung der erneuerbaren Energien bringt Freude und Wohlbefinden. Denn die Verschwendung und die Veränderung der Umwelt hat die Kapazität des Planeten derart überschritten, dass der gegenwärtige Lebensstil nur in Katastrophen enden kann.

Dr. Elke Seidel
Kreistagsmitglied, Fraktionsvorsitzende Fraktion Bündnis90/Die Grünen
BN 07.07.2015

Foto: © iStock/Klaus Hollitzer mit Unterschrift:
Der Papst: «Die Erde, unser Haus, scheint sich immer mehr in eine unermessliche Mülldeponie zu verwandeln.»