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Fleisch, Fleisch alle Tage

Fleischloser Hamburger

– welche Folgen hat dieser Fleischverzehr für uns und unsere Umwelt?

Liebe Leserinnen und Leser, meine Artikel werden seit langem unter der Rubrik „Ratgeber“ veröffentlicht.  Ich will Ihnen eigentlich nie einen Rat geben. Ich will Sie aufmuntern, für die Umwelt, für eine gesunde Ernährung, für die alternative Energiewende selbst aktiv zu werden. Ich hoffe, dass meine Artikel Ihnen ausreichend  Hinweise auf neue Entwicklungen geben, dass sie Sie ermuntern,  auch mal was anders zu machen als bisher.  So will ich Sie auch heute auffordern, sich mit dem Thema Fleisch und Fleischkonsum auseinanderzusetzen. Im Spiegel ist am 18.02. 2017 unter der Überschrift „Gewissensbissen – Welches Fleisch?  Wie viel Fleisch?  Künstliches Fleisch?“ sehr gut und ausführlich recherchiert  worden und Sie werden über  den Fleischverzehr und seine Folgen sehr gut informiert.

Der Verzehr von Fleisch ist ja das Ende einer sehr  langen Kette – die Kette beginnt mit der  Aufzucht der Tiere (mehr oder weniger artgerecht), mit der Produktion von Futter (mehr  oder weniger naturnah und mit mehr oder weniger Pestiziden) und geht über das Schlachthaus (mehr oder weniger tiergerechte  Transporte und Schlachtung) und von der Fleischtheke im Supermarkt dann in Ihre Küche.  

Wir nehmen dabei billigend in Kauf, dass jeder Lebenszyklus der Pflanzen und der Tiere  mit vielen, vielen Chemikalien und Giftmischungen in Berührung kommt.  Giftmischungen wie u.a.  Roundup oder Glyphosat –  die alle nachgewiesenermaßen schädigend  nicht nur für wachsende Zellen sind.   Wir nehmen in Kauf, dass das Grundwasser nun langsam den Giftcocktail der intensiven Landwirtschaft in sich aufnimmt. Wir nehmen billigend in Kauf, dass durch die allgegenwärtigen Gifte die Tierwelt dezimiert wird. Ihnen ist sicher schon lange aufgefallen, dass Sie beim Autofahren kaum noch Insekten an Ihrer Windschutzscheibe finden.
Und wir nehmen in Kauf, dass Tiere sehr viel, zu viele Antibiotika erhalten, die wir dann mit dem Fleisch konsumieren.  Wir sollten uns weg vom zu vielen Fleischkonsum entwickeln!

 Winston Churchill sagte schon 1931: „Es ist absurd, ein ganzes Huhn aufzuziehen, nur um seine Brust oder seine Flügel zu essen; lasst uns diese Teile einzeln züchten, in einem geeignetem Medium.“
Sind wir jetzt soweit? Denn Forscher entwickeln Fleisch, das nicht mehr von Tieren stammt. Die Steaks und Würste der Zukunft bestehen aus Pflanzen oder reifen in Bioreaktoren. Dieser Wandel ist überfällig: Denn die Viehindustrie macht  die Tiere und die Menschen krank und schadet der Umwelt. So kann zum Beispiel McDonalds seine Hamburger nur deshalb für 1 Euro verkaufen, weil die externen Kosten der Fleischproduktion gar nicht bezahlt werden und sich nicht auf den Preis niederschlagen. Denn die Kosten für den Wasserverbrauch,  für den Landverbrauch, für die Schäden an Umwelt und Klima  - bezahlt nicht der Produzent.  Diese Kosten werden der Allgemeinheit aufgebürdet, die Gewinne aber privatisiert. So kennen wir es ja auch von allen anderen industriellen Produktionen, dem Bergbau oder der chemischen Industrie, die keine Naturchemie ist.  

Ein Veganer spart verglichen mit einem Fleischesser 380 Liter Wasser, 20 Kilogramm Getreide und über 2000 Liter CO2 ein. TÄGLICH!
Sie müssen nicht strenger  Veganer werden. Es reicht, wenn Sie sich abwechselnd vegetarisch ernähren. Zu viel Fleischverzehr  ist ja bekanntlich  ungesund. Die Gesellschaft für Ernährung schlägt als Obergrenze für Verbraucher, die nicht auf Fleisch meinen, verzichten zu können,  maximal  600 Gramm pro Woche vor –derzeit liegt der Durchschnittsverzehr doppelt so hoch.  600 Gramm bedeuten immer noch 200 Gramm Wurst und 2 Schnitzel pro Woche.
Versuchen Sie doch einfach mal: ein, zwei oder drei Tage in der Woche auf Fleisch zu verzichten. Für Ihren Körper sind fleischlose Tage eine Erholung, und ein Umstellen der Ernährung ist nicht schwer.  Genießen Sie fleischfrei! Und wenn es Fleisch sein muss, dann wenig und  qualitativ hochwertiges Fleisch!  Es gibt so viele Alternativen für ein schmackhaftes und abwechslungsreiches  Essen.
Und satt wird man allemal. 
Und wie wäre es denn mal mit einer Veranstaltung – ohne Fleisch und ohne Alkohol? Und damit sind wir schon wieder bei einem anderen Thema.

Dr. ELKE SEIDEL ,    Umweltmedizinerin, 01. März 2017