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Fastenwoche in St. Marienthal

Kloster St. Marienthal

Zuerst mal: Wo liegt das Kloster St.Marienthal?

Es liegt zwischen Görlitz und Zittau, direkt an der polnischen Grenze, am Ufer der Neiße. Ein Hochwasser 2010, also vor etwa einem Jahr, hat beträchtlichen Schaden an und in den Gebäuden angerichtet. Entsprechend der angebrachten Markierungen stand das Wasser ca. 2 Meter hoch auf dem Klostergelände. Es ist schon viel wieder saniert worden, aber die Schäden waren noch gut zu erkennen. So war das Gebäude, in dem sonst die Fastenkurse stattfanden, noch gesperrt, und wir fasteten gemeinsam im Saal der Priorei, in der die Trockenlegung im Erdgeschoss noch voll im Gange war. Die Klosterkirche, ein gern gezeigtes Aushängeschild, war auch noch gesperrt bis auf einen kleinen für Besucher freigegebenen Bereich, von dem aus man in die Kirche gucken konnte.

Das Kloster selbst ist ein prächtiger Barockbau, der nach der Wende saniert wurde (bis das Hochwasser 2010 gewütet hat). Zum Kloster gehören einige Nebengebäude und die „Klosterschänke“.

In einem Seitenflügel des Klosters leben noch 15 Zisterzienser-Nonnen, die meistens schon weit jenseits der 70 sind. Die jüngste Nonne (von der noch berichtet wird) ist 32. Die meisten Gebäude und Gebäudeteile werden von einem Internationalen Begegnungszentrum bewirtschaftet. Dieses führt auch den Hotelbetrieb, so dass man mit den Nonnen nichts zu tun hatte, man sah nur manchmal eine solche sich mit einem Rollator über das Gelände quälen. Bis auf eine Nonne, die die Funktion der Gästebetreuerin hat. Es ist eben diese noch ziemlich junge Braut Jesu.

Die Unterkunft richtete sich nach dem gebuchten Angebot, für ca. 300 Euro konnte man schon dabei sein, hatte aber ein eher unkomfortables Zimmer, da es dort nur Gemeinschaftstoiletten gibt. Wir hatten uns für die etwa 200 Euro teurere Komfortvariante entschieden, da gab es dann auch eine Sanitärzelle mit Dusche.

Das fanden wir schon angenehmer, da nach dem täglichen Einlauf die schleunigste Benutzung des WC nötig war.

So, nun zum Fasten.

Der Fastenkurs startete mit einem „Entlastungstag“, das war der Anreisetag, der Sonntag. An diesem durften wir schon nur noch Obst oder Gemüse essen, was wir auch strikt eingehalten haben. Am Abend des Ankunftstags gab es noch mal eine Pellkartoffel mit Quark, dann war Schluss mit Essen. Auch Schluss mit Rauchen (was uns ja nichts ausmachte) und Alkoholgenuss.

Der erste Tag startete mit der Einnahme einer Glaubersalzlösung. Bis etwa zum Mittag war dann der Dickdarm weitestgehend geleert. Zum Mittag gab es dann schon die erste Gemüsebrühe. Bäh, weitestgehend salz– und geschmacklos, nur der Sud von ausgekochtem Gemüse, angereichert durch frische Küchenkräuter und Hefeflocken. Dazu frischen Tee unterschiedlichster Sorten. Das Bäh-Gefühl der ersten Suppe gab sich dann von Tag zu Tag mehr, an den letzten Tagen hat das „Mittagessen“ richtig lecker geschmeckt.

Und, das ist eigentlich die tollste Erfahrung: Wir hatten keinen Hunger und auch kaum Appetit. In der „Klosterschenke“, in der wir ja Mittag gegessen haben, saßen ja auch „normale“ Gäste. Wir konnten an den vollen Tellern vorbeigehen, ohne dass uns irgendein Zahn getropft hätte.

Vorteilhaft war sicher auch das Fasten in der Gruppe, da gab es gegenseitigen Ansporn. Ob sich jeder an das strikte Ess-, Rau– und Alkoholverbot gehalten hat, wissen wir ja nicht. Aber was soll das: Man gibt nicht wenig Geld für die Fastenkur aus und hält sich dann nicht an die Regeln? Da könnte man das Geld gleich sparen.

Tagesablauf

Die Fastentage von Montag bis Freitag gestalteten sich immer gleich. Sehr früh gab es ein gemeinsames Teetrinken im Probsteisaal. Den Tee konnten wir mit Zitrone schmackhafter machen (auch wegen der basischen Wirkung der Zitrone), auch ein Löffel Honig war erlaubt. Mineralwasser gab es soviel man mochte, es war sogar erwünscht, Tee und Wasser mit in‘s Zimmer zu nehmen. Im Anschluss an das gemeinsame Teetrinken konnte man erst mal etwa eine Stunde entlang der Neiße wandern. Um 9 Uhr fand täglich in der Klosterkapelle etwa 10 Minuten lang „das Wort zum Tage“ statt. Schwester Anna, die schon erwähnte junge Nonne, meditierte dann anhand von Bibelzitaten, anschließend schwiegen die Teilnehmer einige Minuten zur inneren Einkehr. Es war keine Pflicht daran teilzunehmen, aber interessanterweise waren alle Kursteilnehmer dabei, obwohl wir sicher nicht die einzigen Atheisten waren.

Der Vormittag konnte dann individuell gestaltet werden, es gab aber auch einige Angebote durch den Fastenkurs. Zum Mittag gab es dann die immer besser schmeckende Gemüsebrühe und im Anschluss, bis zum nachmittäglichen gemeinsamen Teetrinken im Probsteisaal, war Mittagsruhe. Im Anschluss an das Teetrinken war wieder Freizeit, wofür es meist auch Angebote der Fastenleiterin gab, man musste aber nicht teilnehmen.

Dann kam das „Abendessen“, wieder Tee, Wasser und dazu auch noch ein, zwei Gläser Obst– oder Gemüsesaft. Im Verlauf der Abendmalzeit war jeder aufgefordert, seine persönlichen Erfahrungen und Gefühle des Tages wiederzugeben. Es war keiner, der sich über Hunger, Langeweile oder ähnliches beklagt hätte, alle hatten trotz der Null-Diät ein gutes Gefühl und waren körperlich leistungsfähig. Im Anschluss an diese Runde informierte dann die Fastenleiterin noch über dies und das, das Fasten an sich, die richtige Ernährung, Entspannungskurs und ähnliches. So gegen halb zehn, zehn Uhr war dann Schluss. So verlief grundsätzlich jeder Fastentag.

Erwähnt werden muss noch eins: Jeder Kursteilnehmer war aufgefordert, täglich mindestens einen Einlauf zu machen. Dafür konnte man handliche Irrigatoren erwerben. Es war natürlich nicht zu kontrollieren, ob das auch jeder getan hat. Es gehört aber eigentlich zum Fasten dazu, durch die Einläufe im Körper verbliebene schädliche Produkte zu entfernen. Wir haben auch tatsächlich jeden Abend vorm Schlafengehen brav unseren Einlauf gemacht, Einzelheiten dazu verschweige ich mal lieber.

Die Gruppe

Wie auf den Bildern vielleicht schon erkennbar, waren wir die Ältesten. Wir waren auch das einzige Pärchen, die anderen waren Fastensolisten. Sie kamen teilweise über weite Strecken, zum Beispiel aus Holland oder dem tiefen Westen. Angeregt wurden die meisten durch einen Artikel über das Fasten in St.Marienthal im „Spiegel“. Bemerkenswert waren zwei Hells Angles. Als ich die zuerst gesehen hatte, dachte ich „Oh Gott, was soll das werden“. Sie waren aber absolut kooperativ und mit dem Herzen dabei. Zum Schluss haben sie mehrfach verkündet: „Wir kommen wieder und bringen noch ein paar interessierte Clubmitglieder mit“. Trotz der unterschiedlichen Zusammensetzung verlief der Kurs sehr harmonisch, keiner hat gemeckert oder gestänkert, was leider in anderen Kursen schon vorgekommen ist.

Das Rahmenprogramm

Damit es den Fastenteilnehmern nicht langweilig wird, gab es verschiedene Angebote. Man konnte sich im Begegnungszentrum Fahrräder ausleihen und zum Beispiel entlang des Neißeradwegs radeln.

Auch waren einige geführte Wanderungen und Gruppenausflüge im Programm, zum Beispiel eine Altstadtbesichtigung in Görlitz.

Interessanter waren aber eine Klosterführung und ein Gespräch mit der Gästeschwester Anna. Bei der Klosterführung kam man natürlich nicht in das Allerheiligste der Nonnen. Aber die berühmte Barockbibliothek des Klosters wurde uns geöffnet. Das war schon beeindruckend, so dass ich vergessen habe zu fotografieren.

Für alle ein Gewinn war auch das Gespräch mit Schwester Anna. Sie berichtete vom Klosterleben, das offenbar manchmal auch nicht einfach ist, weil der Konservatismus der Alten auf den Liberalismus der Jüngeren trifft. Es lebt sich auch nicht mehr ganz so spartanisch wie im Mittelalter. Die Räume der Nonnen haben Sanitärzellen. Schwester Anna hat auch einen PC mit Internetanschluss und auch einen Facebook-account.

Das Ende des Fastens

Offiziell wurde das Fasten am Freitag durch das Fastenbrechen beendet. Da gab es zum Mittag einen Apfel und Gemüsesuppe, diesmal tatsächlich mit Gemüse. Der Frühstückstisch am Sonnabend war dann schon ziemlich reichhaltig mit Obst, Gemüse, Butter und Brötchen.

Einige der Fastenteilnehmer haben den Fastenbrechen-Apfel nicht geschafft und die Hälfte liegengelassen.

Und dann gab es noch vier besonders wilde Faster, die konnten nicht aufhören und haben beschlossen, erst zuhause das Fasten zu beenden. Also keinen Apfel, keine Suppe, kein Brötchen, sondern: Tee, Wasser und Gemüsesaft.

Zwei von den Weiter-Fastenden war natürlich die Familie Seidel. Wir haben erst am Montag, dann wieder zuhause, mit dem Fasten aufgehört. Dafür dauerte dann die Anpassungsphase an das normale Leben auch drei Tage und nicht nur zwei.

Ergebnis

Die Fastenkur ist uns ausgesprochen gut bekommen. Wir fragen uns, warum wir das nicht schon früher gemacht haben. Es war nicht anstrengend, nicht langweilig und Hunger hatten wir trotz des Nahrungsentzugs nie. Wir haben uns ausgesprochen wohl gefühlt, auch in dem angenehm ruhigen Ambiente des Klosters.

Und, haben wir abgenommen? Natürlich. Elke ist mit 6 kg und ich mit 5 kg Körpergewicht weniger zuhause angekommen. Und jetzt, über zwei Monate später, geht es immer noch abwärts mit dem Gewicht. Elke hat 8 kg weniger und ich 7 kg weniger Körpergewicht verglichen mit dem Stand vor der Fastenkur.

Das Hauptergebnis der Fastenkur ist aber nicht die Gewichtsreduzierung. Wir haben unsere Essensgewohnheiten grundsätzlich umgestellt. Wir essen deutlich weniger, eher selten Wurst und Fleisch, mehr Obst und Gemüse. Auch in der Kantine meiner Arbeitsstelle greife ich immer öfter zum vegetarischen Angebot. Und das Ganze ohne das Gefühl, auf etwas verzichten zu müssen.

Also: Eine Fastenkur ist absolut empfehlenswert. Wir werden sie auf jeden Fall wiederholen.

Elke und Rudolf Seidel

September 2011

 

 

 

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