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Glyphosat und andere Gifte

Warum Gifte auf unsere Lebensmittel? (Bild aus PraxisVITA

Wenn wir durch die Gegend fahren und uns die abgeernteten Felder anschauen, dann fallen auch Ihnen  sehr oft Flächen auf, die völlig verdorrt und vertrocknet aussehen – obwohl nebenan die Pflanzen grün sind und noch sprießen. Was ist da geschehen?
Sie können davon ausgehen, dass der Landwirt – oder der Kleingärtner oder der Nebenerwerbslandwirt eine Giftspritze angesetzt hat, um sich das Unkrautjäten zu ersparen.
Aber weiß der Landwirt oder der Gärtner wirklich, welchen Schaden er damit sich selbst, seinen Kindern und seiner Umwelt antut?
Wo kommen denn diese Gifte alle her und was bewirken sie?
Der Spiegel 39/2014 beschreibt ausführlich und sehr beeindruckend, was mit uns und unserer Umwelt passiert – und wer davon profitiert.  Unter dem Titel „Weil US-Farmer flächendeckend Pestizide versprühen, überwuchern nun resistente Schadpflanzen die Felder. Bauern stehen vor einem Desaster“   beschreiben Markus Grill und Manuela Schießl, welche Auswirkungen die Bauern, die seit Jahrzehnten Gift einsetzten, heute ausbaden müssen.
„Die Pflanzen haben im Laufe der Zeit eine Widerstandsfähigkeit gegen viele der über sie ergossenen Herbizide entwickelt;  nun muss das Unkraut wie früher per Hand aus den Feldern gerupft werden.  Was den Bauern Anfang der Siebzigerjahre noch als Lösung aller Unkrautprobleme präsentiert wurde, hat sich zum Fluch gewandelt.“
Uns sind diese Gifte auch bekannt. Sie stehen in den Gartenmärkten. Das Pflanzengift Glyphosat (Handelsname unter anderem „Roundup“) wurde von Monsanto entwickelt  und tötet alle Pflanzen ab. Deshalb setzten und setzen die Bauern es zwischen den Ernten zur Säuberung der Äcker ein.  Und das Feld sieht trocken und verdorrt aus. Und die Spirale dreht sich weiter – und auch bei uns haben wir viele Gifte, die meist unkontrolliert über die Äcker in die Gewässer und Pflanzen gelangen. In Deutschland landen jährlich unkontrolliert auf unseren Äckern und Gärten ca. 18 000 Tonnen Unkrautvernichtungsmittel. 
Mittlerweile gibt es eine große Anzahl von Studien,  die aufzeigen, dass der Wirkstoff Glyphosat nicht nur bedenklich, sondern tatsächlich äußerst gefährlich ist.  Schon in geringen Mengen  wirkt er auf menschliche Zellen, kann zu Fehlbildungen und Fehlgeburten führen. In einer  Untersuchung  2013  wurden Großstädter in 18 europäischen Städten untersucht. Im Urin fand man Glyphosat, obwohl diese Personen nicht  direkt mit Glyphosat (zum Beispiel in der Landwirtschaft) in Berührung kamen – also liegt der Schluss nahe, dass das Glyphosat über Lebensmittel  aufgenommen wird.
Ich appelliere an die Landwirte und Gärtner: Bitte nehmen Sie keine Unkrautvernichtungsmittel, um unliebsame Wildkräuter zu töten.
Im Kleingarten haben Pestizide nichts zu suchen, auch für die Landwirtschaft gibt es Alternativen.  Tauschen wir uns aus und berichten von den guten Erfahrungen mit Nützlingen und von Fruchtfolgen, die die Giftspritze überflüssig machen. 
Dr. Elke Seidel
Pulmologin und Umweltmedizinerin
07.10.2014