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Die gute fachliche Praxis ...

Der Boden ist durch Regengüsse gefährdet

... der Landwirtschaft ist nicht zukunftsfähig. Macht sie uns langsam krank?

Seit Jahrhunderten beackern Bauern die Felder – und ernähren sich und ihre Nachbarn.  Dann kam es vor dem Hintergrund einer steigenden Nahrungsmittelnachfrage im 18. Jahrhundert zu einer Intensivierung und Konzentrierung der Bewirtschaftung, die auch „landwirtschaftlichen Revolution“ heißt:  zunehmender Fruchtwechsel, die Ausdehnung des Futterbaus und

der Winterstallfütterung sowie die planmäßige Zuchtverbesserung und Ertragssteigerung des Viehbestandes. Die chemische Düngemittelproduktion, die Herstellung und Anwendung von Pestiziden (Fungizide gegen Pilze, Herbizide gegen Pflanzen, Insektizide gegen Insekten, Rodentizide gegen Nagetiere, Molluskizide gegen Schnecken, Bakterizide gegen Bakterien – Wikipedia zählt noch viele andere auf)  wurden der Umwelt wissentlich, kontrolliert und unkontrolliert zugefügt, um sich Vorteile bei der Bodenbewirtschaftung und der Produktion zu verschaffen.

Alles um angeblich „billige“ Lebensmittel, Tiermasten u.a. zu erzeugen. Und dabei berufen sich die Landwirte auf die gute fachliche Praxis, die im deutschen Recht die Einhaltung gewisser Grundsätze des Tier- und Umweltschutzes in der Land-Forst-und Fischereiwirtschaft bezeichnet. Sie kann als ein Handlungsrahmen angesehen werden.

Zur guten „fachlichen Praxis der Landwirtschaft“ gehören unter anderem,

Trotz dieser Vorgaben, die in der Praxis sehr dehnbar sind und auch wenig kontrolliert werden,  gelangen Düngemittel, Pestizide und Antibiotika in unseren Boden, in unser Wasser,  in unsere Lebensmittel. Zur Wende wurde uns bekannt, dass in den alten Bundesländern so langsam die Düngemittel und andere Schadstoffe im Trinkwasser zu finden sind. Jetzt sind sie auch in Anfängen bei uns im Trinkwasser zu finden. Die zunehmende Sulfatbelastung der Gewässer durch den Braunkohletagebau, was uns immer häufiger als Verockerung zum Beispiel am Spreewald deutlich wird, sei nicht mal angesprochen.

Wie steht es in unserer Region? Die Felder werden bis an die Gräben und Waldesränder hin beackert und mit Düngemitteln und weiteren Schadstoffen behandelt. Es gibt zwar Grünflächen, aber keine Blühflächen mehr. Fische „verweiblichen“ durch Hormone aus den Kläranlagen.

Was passiert zum Beispiel mit dem Salzwasser in der Salzbrunner Region, wenn die oberflächlichen Süßwasserreserven aufgebraucht sind? Drückt es dann nach oben? Beobachtet eine Verwaltung diese Veränderungen? Denn Veränderungen muss es ja geben durch die exzessive Wassernutzung infolge großflächiger Beregnungen, um „billige“ Lebensmittel im großen Stil zu erzeugen. 

Die maßlose Anwendung von Antibiotika beim Menschen und in der Tiermast  führt zu multiresistenten Keimen, gegen die es immer weniger wirksame Medikamente gibt.

Ein Artikel in der MAZ „Kein einziges Antibiotikum stoppt den Supererreger“ macht auf das Dilemma aufmerksam. Die Bakterien passen sich der Umwelt an. Und das können sie viel besser als der Mensch. Steht der Mensch diesem Dilemma hilflos gegenüber?  Im Prinzip ja, denn es nimmt niemand den Kampf gegen die Pharmalobby (die Geld verdienen will) auf, niemand verweigert Antibiotika - wenn ein Arzt, ein Bauer gegen diese Lobby aufsteht, hat er/sie in diesem System schon verloren und wird an die Wand gedrückt. Die Medikamente werden wahllos insbesondere in der Dritten Welt eingesetzt – um zu helfen oder um Geld zu verdienen??

Wo liegt der Hebel?  Wir reden inflationär von Nachhaltigkeit, ohne zu wissen, was es bedeutet. Der Rückzug auf die Waldwirtschaft hilft da wirklich nicht weiter, wird aber gerne bemüht.  Wir handeln nicht nachhaltig. Dient es dem Allgemeinwohl, dem Wohl jedes einzelnen Individuums, wenn Monsanto und Bayer mit Patenten auf Pflanzen und Leben die Welt beherrschen, wenn sie Pflanzen züchten, die nur auf ihre Pestizide ansprechen und wenn die Großmärkte genmanipuliertes und chlorbehandeltes Fleisch billig an die Verbraucher bringen? Nein.

Die Bundesumweltministerin Hendricks fordert eine radikale Kurskorrektur in der Agrarpolitik und eine Korrektur in der Förderpolitik, die nur noch die Produktion gesunder Lebensmittel, die Pflege von Natur und Landschaft und den Gewässerschutz bezuschusst. Kann sie es umsetzen? Seit 1986 gibt es ein Bundesumweltministerium als Reaktion auf Tschernobyl – es hat aber keine Macht.

Warum kaufen Verbraucher  belastete Lebensmittel? Ist es nur der Preis? Wissen sie es nicht besser? Gesunde Lebensmittel sind nicht billig, gutes Fleisch von „glücklichen“ Tieren ist nicht billig.

Denken Sie doch einfach mal darüber nach – und denken Sie daran:  verlangen Sie Blühstreifen statt Grünstreifen, Hecken und Bäume statt trostloser Leere, durch Hecken strukturierte Felder statt blanken aufgewühlten Boden, Gewässerrandstreifen statt Elektrozäune bis ins Wasser hinein – und Felder, die atmen können und nicht unter Folie verschwinden.

Dr. med.  Elke Seidel
Umweltmedizinerin
07.06.2016

Unkontrollierte Belastung des Bodens