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Aus den Augen – aus dem Sinn?

6 Jahre Fukushima - 31 Jahre Tschernobyl  - Mahnung für Generationen

Atomkraftwerke sind technische Einrichtungen, die vom Menschen bedient werden – und menschliche Fehler können Störungen herbeirufen oder Naturkatastrophen zerstören Bauwerke des Menschen. Beides ist geschehen – vor 31 Jahren in Tschernobyl und vor 6 Jahren in Fukushima.  Aber die Atomunfälle und Leckagen  bestehen fort, die Folgen für Mensch und Natur verschwinden nicht. Kernschmelzen sind nicht beherrschbar.

Eine „Dekontaminierung“ der verstrahlten Gebiete ist nicht möglich und bleibt Stückwerk. In Tschernobyl hat sich die Natur die zerstörte Zone zurückerobert, so wie es in Berichten aus der Sperrzone zu sehen ist. Dennoch ist die Strahlenbelastung noch immer unvergleichbar hoch und die Tiere und Pflanzen, die dort leben, sind geschädigt und verändern sich durch Mutationen.

In Deutschland führte der Super-GAU in Fukushima unter dem Druck der Antiatombewegung zum Ausstiegsbeschluss. Neun Leistungsreaktoren wurden seither abgeschaltet, acht sind noch in Betrieb und produzieren jedes Jahr ca. 300 Tonnen weiteren gefährlichen Strahlenmüll. Wenn das letzte Atomkraftwerk 2022 vom Netz geht, werden sich laut Bundesamt für Strahlenschutz in den Zwischenlagern fast  17.000 Tonnen hochradioaktiven Mülls  angesammelt haben. Das ist eine Hinterlassenschaft, die Millionen Jahre strahlt und die wir unseren nachfolgenden Generationen einfach so hinterlassen. Nach Abschaltung der Atomkraftwerke geht die größte Gefahr für die Gesundheit von diesen Zwischenlagern aus. Zwischenlager sind eine Zwischenlösung, aber für welche Dauer? Wenn kein „Endlager“ gefunden wird, droht die Gefahr, dass aus Zwischenlagern Langzeitlager werden. Aber auch Endlager sind nicht die Lösung, das Problem bleibt bestehen. Deshalb habe ich eine  Fukushima-Tschernobyl-Anzeige des IPPNW am 11.3. unterstützt.

Wir bringen uns selbst um – die Folgen der atomaren Strahlungen sind das eine, daneben gibt es viele Fakten, an denen wir tagtäglich gedankenlos vorbeigehen.

Plastikmüll gibt es in Größenordnungen – aber es ist furchtbar schwer, kein Plastik zu benutzen. Aber wenn wir es nutzen sollten wir es nicht einfach so in die Gegend werfen, denn Vögel nutzen es für den Nestbau – und die Jungen werden davon nicht satt. Und Fische verschlucken es und verhungern im Meer voller Nahrung.

Düngemittel und Pflanzenschutzmittel  in Boden und Wasser – nun kommt im Trinkwasser an, was in Jahren und  Massen auf die Felder gesprüht wurde. In den Gewässern verändern sich die Lebewesen nicht zum Besseren – auch durch Hormone und Arzneimitteln, die im Wasser landen (auch aus unserem eigenen Klärwerk).

Bienen sterben – wer bestäubt dann die blühenden Bäume und Sträucher und Blumen? Denn wir brauchen bestäubte Blüten, sonst können wir nicht ernten. In China gehen schon Tausende Menschen zu den Plantagen und bestäuben Blüten per Hand! Muss es dazu kommen?

Reicht die Zeit zur Umkehr? Ich bin der festen Überzeugung, wir müssen uns und den Umgang mit Natur ändern, und nicht nur zuschauen. Heute beklagen Potsdamer Polarforscher das „arktische Tauwetter“ und wollen weitere spezielle Forschungsprogramme auflegen. Forschen ist sicher gut und richtig. Aber wie lange schauen wir dem Experiment „Leben in zerstörter Umwelt“ zu und forschen? Wir müssen handeln.

Lassen Sie uns gemeinsam handeln, der Bürgermeister geht mit dem Steinkauz voran. Und pflanzen wir Bäume und Sträucher überall mit Blüten für Bienen. Wie wäre es mit einem Fonds für Papierverpackungen, damit in Beelitz die Plastiktüten  verschwinden und wir ein Vorbild werden für den Landkreis.

Dr. ELKE SEIDEL, Umweltmedizinerin,  1.2. 2017