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Naturschutz beginnt im Garten und am Straßenrand

Pestizide - gerfährlich für Bienen

Immer mehr Menschen schätzen den Garten als Erholungsort oder nutzen ihn zum Anbau von Obst, Gemüse und Kräutern. Für alle, die selbst einen ökologischen Garten bewirtschaften wollen, empfehle ich den neu aufgelegten BUND-Ratgeber "Naturschutz beginnt im Garten". Hier sind alle nützlichen Ratschläge zusammengetragen, die sowohl den Selbstversorger als auch den Naturschützer sicher durch das Gartenjahr begleiten.

Für den Garten werden von vielen Verkaufsstellen immer wieder „Unkraut- und Schädlingsvertilgungsgifte“ angeboten. Und viele Gärtner nutzen sie – ungeprüft? Brauchen Sie die wirklich? Bedenken Sie, dass Pestizide wie Glyphosat auch auf den menschlichen Körper wirken und Sie krank machen können – entweder durch direkten Kontakt oder über die von Ihnen geschätzten selbstangebauten Pflanzen.

Für die Kommune sind nach meiner festen Überzeugung Pestizide überhaupt nicht erforderlich. Ein neues Schönheitsideal für Kommunen kann entwickelt werden – und das heißt  Wildkräuter tolerieren. Eine Möglichkeit, im kommunalen Bereich auf giftige Pestizide zu verzichten, besteht darin, das Thema "Wildkrautbewuchs" schon bei der Planung von versiegelten Flächen zu berücksichtigen. Wege mit fließenden Übergängen statt schnurgeraden Kanten, Gräser und Kräuter auf öffentlichen Flächen, ein Mix aus intensiver und extensiver Pflege können schön aussehen, den Erlebniswert steigern und einen Beitrag zu mehr innerstädtischer Biodiversität darstellen. Die Stadt Saarbrücken etwa geht diesen Weg und kommt seit über 20 Jahren ohne Pestizide aus.  Auch in Saarbrücken wird allerdings nicht jeder Wildkrautbewuchs toleriert. Doch statt Pestiziden werden bei Bedarf mechanische Verfahren wie Mähen, Handarbeit oder spezielle Wildkrautbürstenmaschinen eingesetzt.

Eine weitere Alternative scheint ganz einfach, bedarf aber immer einer Menge Überzeugungsarbeit: ein verändertes "Schönheitsideal" für Straßen, Wege und Plätze. Wie "ordentlich" muss eine Fläche aussehen? Und was ist eigentlich „ordentlich“?  Hierüber sollten wir uns verständigen.

Übrigens: Der BUND und das Umweltbundesamt (UBA) laden am 8./9. Juni 2015 zu der Fachtagung "Die pestizidfreie Kommune" nach Dessau-Roßlau ein.

Einige deutsche Städte pflegen gänzlich ohne Pestizide seit über 20 Jahren ihre grünen Buntflächen und mit Erfolg. Bei der Fachtagung mit VertreterInnen von Umwelt- und Grünflächenverwaltungen in Bundesländern und Kommunen, KommunalpolitikerInnen, Umwelt- und Naturschutzverbänden und Planungsbüros sowie Forschungseinrichtungen geht es um Konzepte einer "pestizidfreien Kommune".  Zur Anmeldung und zu Informationen lesen Sie auf den Seiten des Umweltbundesamtes UBA nach.

Neben der „pestizidfreien Kommune“  kann ein weiterer Baustein für den Erhalt unserer Lebensgrundlage der torffreie Garten sein. Wir brauchen keine torfhaltigen Pflanzerden. Jeder Gartenbesitzer kompostiert und hat so nahrhafte Düngung vor der Haustür. Wenn Sie Erde dazukaufen wollen, so gibt es bereits eine Vielzahl von Herstellern, die torffreie Erden anbieten. Unter www.BUND.net finden Sie einen Einkaufsführer für Blumenerde ohne Torf  - hier sind 35 Anbieter aufgelistet, hier finden Sie sicher auch den Lieblingsladen in Ihrer Nähe. Achten Sie bitte auf  die Beschriftung –nur wenn „torffrei“ draufsteht, wurde auch kein Torf verwendet.  Torffreie Erden in Verbindung mit  Ausbringen von Kompost, Gründüngung und Pflanzenjauchen sowie einer Mulchdecke aus organischem Material verbessert die Bodenqualität, wirkt der Bodenmüdigkeit entgegen und verhindert Folgekrankheiten. Mulchen Sie mit dem Material, was Ihnen der Garten bietet.

Probieren Sie doch einfach mal das Natürliche aus, anstatt gleich zur chemischen Keule zu greifen. 

Dr. Elke Seidel
Hobbygärtnerin, naturnaher Garten
07.05.2015

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