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Gedanken für die Sommerzeit

Bienenweide

Glyphosat und andere Pestizide

Die EU hat durch den Druck der VerbraucherInnen eine Wiederzulassung von Glyphosat verschoben, nicht für die nächsten 15 Jahre wird die Chemikalie zugelassen, sondern nur für 18 Monate, um die Gefahren neu zu bewerten. 18 Monate sind immer noch zu viel. Glyphosat wurde jetzt in einer Honigprobe in Spree-Neiße gefunden: statt des erlaubten Grenzwertes von 0,05 mg pro Kilogramm  wurden 5,11 mg Glyphosat in einem Kornblumenhonig nachgewiesen. 

Gut, man soll ja nicht laborgläubig sein. Aber ich frage Sie, warum müssen Kornblumen und Mohn vor der Ernte des Getreides tot gespritzt  werden? Und Korn- und Mohnblumen ziehen Bienen an – woher sollen die  Bienen wissen, dass der Tod auf sie wartet?

Dass die EU die Zulassung nicht über Jahrzehnte verlängert hat, ist ein Erfolg. Jeder kennt – zumindest dem Namen nach  - Glyphosat oder Roundup.  Jeder, der es in seinem Garten oder auf seinem Feld oder im öffentlichen Raum anwendet, sollte sich dafür  verantworten.
Glyphosat ist hauptverantwortlich für das Artensterben in der Agrarlandschaft,  es ist aber in der Landwirtschaft durch mechanische Verfahren ersetzbar. Und: Die Mehrheit der Deutschen  will es nicht.
Wird durch den Bauhof in Beelitz auch Glyphosat eingesetzt? Auf eine Nachfrage wurde mir gesagt: ja, insbesondere an Bushaltestellen und anderen begrünten Flächen, aber nur wenig. Man kann sich im Bauhof aber auch mechanische Verfahren vorstellen, um diese Flächen zu reinigen.  Warum wird es dann nicht einfach mechanisch getan und das Glyphosat weggelassen? Muss es dazu erst eine Diskussion im politischen Raum geben? Und wenn es diese Diskussion gibt – die Mehrheit sich für den Einsatz ausspricht  – weil die Diskussion von Leuten angeschoben wird, die „stören – und deshalb nicht gehört“ werden sollen?  Ist es dann legitim? Wem ist dann geholfen? Den Menschen auf keinen Fall, die an den Bushaltestellen stehen. Ich würde mich freuen, wenn Glyphosat nicht mehr zum Arbeitsmittel im Bauhof gehört.

Medikamenterückstände in Gülle und im Abwasser

Medikamente, die wir einnehmen landen zum Teil immer in den menschlichen Ausscheidungen. Die Anwendung vieler und falsch dosierter Mittel führt zu resistenten Keimen. Es gibt bereits multiresistente Keime, gegen die es zurzeit keine wirkenden Mittel mehr gibt. Und trotzdem machen wir so weiter. Auch Hormone gelangen in unser Wasser und verändern dort die  Populationen, so werden verweiblichte Frösche beschrieben. Wann sind die Stoffe im Trinkwasser angekommen? Und im Klärwerk werden viele Stoffe herausgefiltert – meine Frage, gibt es eine Mikrofiltrationsanlage,  die chemische Reste von Medikamenten,  Hormone und Schadstoffe  herausfiltert? Diese Filter sind zwar teuer und müssen als Sondermüll entsorgt werden – aber es gibt sie und sie verringern die Schadstoffe in den Gewässern enorm.  Wenden wir sie in Beelitz an?

Gewässerrandstreifen

Flächenbewirtschafter gehen gerne mit dem Pflug oder der Düngung bis an den Rand des Gewässers, ob es der Fluss oder ein See oder ein Graben ist. Sie selber gehen gerne an Bächen spazieren, die einen Baumbestand haben und Ihnen eine Kühlung verschaffen. Und durch den Baumbestand wird auch die Vegetation im Gewässer reduziert. Denn wenn die Sonne die Pflanzen zum Wachsen anregt, so verlangsamt Schatten dieses sehr. Aber der Wasser- und Bodenverband putzt die Gräben ausgiebig von allen Seiten – nur wenige Gehölze und Bäume halten diesem stand.  Die Landwirte drängen darauf. Ich plädiere für einen Gewässerrandstreifen von mindestens 5 Metern, der an jedem Gewässer von Bewirtschaftung freigehalten sein sollte, der Blühflächen, Wege  und Bäume zulässt. Damit gehen einige Flächen der intensiven Bewirtschaftung verloren, die durch die Allgemeinheit auszugleichen sind, aber es gibt auch weiteren  Nutzen für alle. Die Bodenerosion wird reduziert, Düngemittel überdüngen das Gewässer nicht mehr, Regenwasser wird gehalten und schwemmt die Erde nicht weg. Und vieles mehr.

Plaste und mehr (Meer)

Es ist gar nicht möglich, in den Märkten einzukaufen und KEIN Plastemüll mit nach Hause zu nehmen.
Schauen Sie doch selbst. In großen Städten gibt es aber schon Einrichtungen, wo man Lebensmittel erhält, die nicht in Plaste eingewickelt sind, sondern lose verkauft werden.  Es ist sicher ein langer Weg, bis wir den übermäßigen Plastikmülleinsatz reduziert haben.  Aber als ich an einem Syring-Spargel-Stand eine Papiertüte bekam, habe ich mich sehr gefreut. Bitte weiter so! Auch mir gelingt es nicht immer, ohne Plaste einzukaufen, obwohl ich Stoffbeutel dabeihabe. Bitte schärfen Sie Ihre Sinne und handeln Sie! In einem Fernsehbericht hat eine Familie versucht, plastefrei einzukaufen – ein aufwändiges Unterfangen, aber der Plastemüll konnte deutlich reduziert werden. Vielleicht lohnt es sich doch?

Demokratie,  Vertrauen und zwischenmenschliche Beziehungen

In der Kommunalverfassung sind Regeln aufgeschrieben, die es braucht, um miteinander arbeiten zu können. Die Regeln – wenn sie angewandt werden – schaffen Vertrauen, Transparenz  und führen zu Entscheidungen, die alle Argumente aufnehmen und mehrheitlich abwägen. Ja, mehrheitlich, denn so ist unsere Demokratie aufgebaut. Wo bleiben aber das Vertrauen und insbesondere die Transparenz, wenn wir nicht ergebnisoffen miteinander um die beste Lösung ringen und einen Informationsfluss organisieren, der alle mitnimmt? Demokratie ist  anstrengend. Sie wird aber sehr abgeflacht, wenn statt Transparenz Ausgrenzung dominiert.

Ja, ich habe schon lange erkannt, dass Demokratie schwer ist, wenn man nicht die Mehrheit hat. So ist es ja überall. Gerade deshalb ist es wichtig, das „Opposition“ (die es ja in der Stadtebene nicht gibt, es gibt nur verschiedene Fraktionen, die die gleichen Aufgaben haben: Anträge einzubringen, die Verwaltung zu kontrollieren, ergebnisoffene Diskussionen um die für die Allgemeinheit beste Lösung zu führen) funktioniert.   Mehrheitsfraktionen haben es an sich, nicht zu hören sondern einfach abzustimmen. Das ist aber nicht Sinn der Sache – Fragen und Diskussionen müssen sein.   Und deshalb gehören zu den Regeln auch die Akzeptanz und  Respektierung  des Anderen, denn schließlich wurden alle, die in den politischen Gremien sitzen, gewählt und haben einen Lebenslauf  – ob es einem passt oder nicht. Die meisten Bürgerinnen und Bürger sind unpolitisch, sie mischen sich aber auch ein. Und das ist gut so.

Streuobstwiesen und Blumenmeer

Streuobstwiesen und auch die Obstbaumwiese für die Neugeborenen in Beelitz sind gute Ansätze, um die Artenvielfalt in der Landschaft  und in den Obstbäumen zu erhalten. Denn jeder Obstbaum hat unzählige Besucher – an Insekten, Bienen und Vögeln.  Es ist aber viel mehr, wenn die Wiese um die Bäume herum bunt von Blumen ist. Und zwar von Blumen und Pflanzen, die der Imker für seine Bienen brauchen kann –  denn gerade im Juni und Juli  gibt es eine Flaute bei blühenden Pflanzen und so kann es geschehen, dass Bienen im Sommer Hunger haben, kaum Pollen finden und gefüttert werden müssen. Helfen Sie mit! Suchen Sie die richtigen Blumen für Ihren Vorgarten, Garten und Feld aus, damit die Bienen das Jahr über Nahrung in unserer Region finden.

Diese Hinweise sind leider bei der Anlage der  Beelitzer Obstbaumflächen nicht sehr beachtet worden. Der Boden in den Archegärten ist schwer und Wasser staut sich  leicht, der Untergrund ist moorig,  der neuangelegte Teil neben der Treuenbrietzener Straße  liegt meist im Schatten und ist viel zu eng bepflanzt.  Die Bäume wollen und sollen aber groß werden! Oder sind es gar keine Hochstämme?  Wir wollen ja noch in Jahren für neugeborene Bürger Bäume pflanzen. Und  die Baumpflanzungen  können sehr gut als Streuobstwiesen entwickelt werden -  aber mit ausreichendem  Platz, mit Ausläufern in die Landschaft und Verweilecken. Und alle Bäume müssen auch nicht dicht an der Altstadt stehen – die Kinder kommen ja aus allen Ortsteilen – und deshalb sollten auch in allen  Ortsteilen  Flächen für Obstbäume ausgewiesen werden. So war zum Beispiel die Straße von Beelitz nach Schönefeld eine Obstbaumallee.  Warum können wir diese alten Traditionen nicht wieder aufleben lassen? 

Ich wünsche Ihnen eine gute, gesunde Sommerzeit – achten Sie auf sich und die Natur.
Dr. Elke Seidel Umweltmedizinerin, Stadtverordnete
07.07.2016