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Von Wölfen, Wildnis und Renaturierungen

Umdenken fällt schwer – das Ziel ist aber erstrebenswert – die Erhaltung und nachhaltige Gestaltung dieser EINEn ERDE

Deutschland, auch Brandenburg, soll wilder und naturnaher werden. Aber was bedeutet das genau? Was ist Wildnis überhaupt? Die Stiftung Naturlandschaften Brandenburg wurde im Jahre 2000 gegründet. Das Hauptziel der Stiftung ist Wildnis. Das bedeutet: Hier entstehen die Urwälder von morgen. Ein ehrgeiziges Ziel, über das wir  bei einem Vortrag von  Dr. Hans-Joachim Mader, Vorsitzender des Stiftungsrates der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg (www.stiftung-nlb.de),  in der Kulturscheune Ferch Für und Wider diskutierten. 

Durch die Stiftung gesicherte Flächen sind Rückzugsflächen für über 120 Vogelarten, Reptilien, Amphibien. Der Wolf hat sich dort angesiedelt, Rothirsch, Biber und Fischotter kommen vor. Feuchtwiesen, Moore und trockene Standorte wechseln sich ab und gestalten eine Vielfalt von Pflanzen und Tieren –Schönheiten und Besonderheiten beeindruckten uns im Vortrag.

Wie können wir Wildnis auch als Biotopverbund, ohne Naturschutzstatus, noch wertvoller und die immer intensiver genutzte Kulturlandschaft für wilde Tiere durchgängig machen?  Das Konzept der Wildnis ist verhältnismäßig jung und zeigt eindrucksvoll, dass es gut ist, stets offen zu bleiben für neue Wege. Ich freue mich ganz besonders, dass wir mit Dr. Mader einen anerkannten Fachmann für dieses spannende Thema gewonnen haben.

Wir müssen auch in unserer Stadt bei Pflanzungen und  bei Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen mehr auf die damit erforderliche und notwendige  Verbindungsfunktion der gepflanzten Bäume und Sträucher in der Landschaft  achten. So wie es auf den Grenzelwiesen vorgemacht wird, hat zum Beispiel eine Wiedervernässung (Rückbau der Meliorationsgräben) einen hohen Wert.  Die Grenzelwiesen an der Nieplitz bei Beelitz sind wiedervernässt. Und das ist gut so. Ein Altarm der früher mäandrierenden Nieplitz ist eröffnet, durchfließt die Grenzelwiesen und trifft sich dann mit der begradigten Nieplitz wieder. Warum wurde dies möglich? Durch die Aktivitäten des Bauern F.. Er sagte: „Mit dieser Maßnahme will ich der Natur etwas zurückgeben, was (auch) ich ihr jahrelang entrissen habe“.

Die naturnahe Landnutzung braucht Strukturierung in der Landschaft durch Hecken, Alleen, Einzelbäume, Waldumbau, Wildnis und Streuobstwiesen. Jeder kann in seinem Bereich aktiv werden und die natürliche Ordnung zum Beispiel unter den Bäumen zulassen oder teilhaben an der Entwicklung des ökologischen Korridors Südbrandenburg. Ausgeräumte Flächen und strukturlose Felder haben wir genug.

Wildnis, Wasserhaltung und Strukturierung der Landschaft durch Bepflanzen – drei Wege zu einem Ziel. 

Eine Aufgabe für viele, viele Generationen. Haben wir die Zeit?

Dr. Elke Seidel, Stadtverordnete Beelitz 
www.elke-seidel.de