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Der 05. Mai 1990 – wir wollen uns erinnern, um die Zukunft zu gestalten

Silberahorn, Naturdenkmal in Beelitz, 17/2/90

Vor 25 Jahren fanden am 05. Mai 1990 die ersten freien Kommunalwahlen statt. Wir wählten damals die Vertreter für den Kreistag und für die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Beelitz mit den Ortsteilen Schönefeld und Beelitz-Heilstätten. Der Runde Tisch, der bis zu dieser ersten demokratischen Kommunalwahl das Machtvakuum in Beelitz durch seine sehr intensive und konstruktive Arbeit ausfüllte, bereitete die Wahl organisatorisch sehr gut vor. Wir legten 6 Stimmbezirke fest, so dass der Weg zum Wahllokal für jeden nicht weit war. Es gab kein zentrales Wahllokal.  Am 24.04.1990 beendeten wir die Arbeit am Runden Tisch. Wir hatten die Wahl am 5. Mai sowohl organisatorisch als auch politisch vorbereitet und mussten nun abwarten, wie der Wähler entscheidet. Die Mitglieder des Runden Tisches trafen sich aber dennoch wieder - fast alle wurden in die erste Stadtverordnetenversammlung gewählt – eine Anerkennung für die geleistete Arbeit am Runden Tisch.

Am 05. Mai 1990 waren 4362 Bürgerinnen und Bürger wahlberechtigt, an der Wahl nahmen 3190 Einwohner teil, das waren 73,1 Prozent.  Das Recht frei zu wählen ist nicht selbstverständlich – 25 Jahre danach haben es leider viele wieder vergessen und die Wahlbeteiligung liegt bei unter 50%. Aber Politikbegeisterung geht auch in Brandenburg und in Beelitz. Wir müssen dazu Vertrauen in allen Lebensbereichen und Bevölkerungsschichten zurück gewinnen – durch transparentes ergebnisoffenes Austauschen der verschiedenen Argumente.  Denn Vertrauen ist der Kitt, der eine Gesellschaft zusammenhält.

Das Wahlsystem hatte bereits damals drei Stimmen für Jeden, die auf einen Bewerber abgegeben werden konnten oder in jeder anderen Verteilung – so wie es noch heute bei den Kommunalwahlen ist. Die Stimmen verteilten sich auf die gewählten Bewerber:
SPD (38,1%)  Stamnitz 738, Dr. E. Seidel 629, Stoltenow 475, Th. Wardin 331, Böttge 201, Born-Fronsberg 199, Szellatis 120, Hoppe 115;
CDU (22,5%): K. Gedicke 607, W. Gedicke 534, Opderbeck 245, Vorwerk 142;
BFD (20,7%):  Baganz 459, Frankenhäuser 294, Schade 217, Stier 167;
PDS (15,2%) : Gajowi 418, Koppenhagen 359, Fiedler 210;
Einzelkandidat: (2,5%): Hüttenrauch 226;

Die konstituierende Sitzung fand am 28.05 1990 statt, hier wurde Herr Pfarrer Stamnitz zum Vorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung gewählt. Diesen Vorsitz nahm er gewissenhaft und mit großer Sorgfalt ein, er führte die Versammlungen souverän, ließ Argumenten freien Raum  und war auch sonst ein guter Vertreter der Stadtverordneten.  Der erste Bürgermeister war Herr Wardin.

Ende Juli 1990 hatten wir bereits sechs Hauptausschusssitzungen und vier Stadtverordnetenversammlungen absolviert – eine anstrengende, konstruktive und wegweisende Zeit, in der wir intensiv über alle Parteigrenzen hinweg arbeiteten.  Hier wurden die Weichen für die Bebawo, die Stadtwerke, das Gewerbegebiet, die weitere Entwicklung des Schwimmbades und des Gemeinschaftswesens gelegt sowie die Städtepartnerschaften mit Ratingen und Alfter besiegelt.

Bereits in der 2. Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 18.06. wurde mit der Beschlussnummer 17/2/90 der Silberahorn am Tennisplatz als Naturdenkmal unter Schutz gestellt. Das war ein gutes Zeichen, dass wir mit unserer Umwelt besser umgehen wollten als vor der Wende.  Wegen mangelnder und nichtfachgerechte Pflege und nachlässigem Umgang auf der Baumscheibe bei Baumaßnahmen in den Jahren danach steht jetzt nur noch ein Torso da. Wir sollten aber diesen Baum in Erinnerung an die ersten freien Wahlen in Beelitz im Gedächtnis behalten, die wir mit Mut und Engagement gestalteten und durchführten.

Eine Veranstaltung in Erinnerung an diese erste freie Wahl wird es in Beelitz nicht geben. Schade. Die Mehrheit der Stadtverordneten hat kein Interesse an Erinnerung.

Dr. Elke Seidel
Mitglied am Runden Tisch Neues Forum
Gewählte Stadtverordnete seit 1990
07.05.2015