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Die Jugend wehrt sich

- Schulstreik für den Klimaschutz

Mit einem Protestplakat wirbt die Umweltaktivistin Greta Thunberg in Davos (Schweiz) für ihre Idee. Mit ihren Auftritten stiehlt Greta Thunberg den etablierten Politikern und Managern die Schau: „Ich denke, dass es sehr unfair ist, was die älteren Generationen uns und künftigen Generationen angetan haben“, betonte die Aktivistin in Davos. „Wir müssen nach ihnen aufräumen.“ Jugendliche wie sie müssten „etwas tun und wütend werden – und diese Wut dann in Handeln umwandeln“, sagte die Schülerin, die seit einem halben Jahr jeden Freitag vor dem schwedischen Parlament in Stockholm für Klimaschutz demonstriert.

Endlich spricht sie aus, was eigentlich alle Erwachsenen wissen und danach handeln müssten! Sehen Sie das nicht auch so, liebe BeelitzerInnen?

Klimaschutz geht alle an, und jeder muss handeln und sich und sein Verhalten ändern. Nur dann könnte es gelingen, diese EINE unsere ERDE zu erhalten und lebenswert zu erhalten.

Alle Untersuchungen von Tieren und Pflanzen lassen erkennen und bestätigen auf ganzer Breite: Vor allem der Vogelwelt im ländlichen Raum geht es schlecht. Und so auch bei uns, denn der viele Spargel unter Folie zerstört nicht nur Diversität sondern irritiert auch die Tiere und  schafft mit Plasteresten Todesfallen.

Wir brauchen eine andere Landnutzung – und darüber müssen wir mit allen ins Gespräch kommen und Wege suchen! Müssen wirklich alle Hecken und Sträucher in Feld und Flur gerodet werden? Können nicht Feldraine entstehen, blühen und die Landschaft gestalten? Wen stören denn Bäume auf einem Feld? Die Maschinen müssen sich der Landschaft anpassen – und nicht die Landschaft dem freien Zug der Traktoren. Es ist wert, darüber zu reden! Fangen wir endlich und langsam und sehr schnell damit an!

Plasteverbot generell – und einkaufen nur noch mit Jutebeuteln und Netzen. Ist das ein Verlust? Nein, es ist eine Erhöhung der Lebensqualität.

Chemische Keule – wozu? Was wollen wir denn vernichten mit der Keule – Bakterien und unsere Lebensgrundlagen? Eine vergebene Liebesmüh – denn die Bakterien sind schlauer als wir (Beispiele sprechen wir am 22.3. im Thiedemannclubraum an).  Und die Pflanzenvernichtungsmittel – die richten sich ebenfalls gegen uns Menschen, denn die Menschen speichern die Reste und Abbauprodukte in den Körperorganen. Wundern wir uns wirklich, wenn wir dann krank werden?

Und unsere täglichen Gewohnheiten müssen wir auf den Prüfstand stellen: Warum erschrecken wir zum Jahreswechsel nicht nur sensible Menschen sondern alle wildlebenden und insbesondere unsere Haustiere durch Böller, Raketen und Raketenwerfer?

Ich bin dafür, dass in Landschaftsschutz- und Naturschutzgebieten das Böllern an Silvester eingeschränkt wird. Denn durch den Krach und Rauch irren Gänse und Schwäne stundenlang orientierungslos durch die Nacht,  obwohl sie um diese Zeit normalerweise ruhen. Akustische Szenarien, die ausnahmslos alle Tiere in Panik und Todesangst versetzen, sind nicht mit Schutzstaten vereinbar. Und fordern wir nicht immer den wichtigen Schutz für den Menschen? Warum nicht auch für Tiere? Ist es so schwer, auf Lärm zu verzichten? Pflanze.jpg

Es liegt also nicht nur im ländlichen Raum etwas im Argen. Die Landwirtschaft muss sich erinnern, welchen Wert die trennenden Hecken haben – und welcher Wert durch blühende Ackerrandstreifen erzeugt wird. Alle wollen Honig essen – und der soll noch frei von Chemie sein. Aber alle (oder viele) zerstören die Vielfalt der Pflanzen und finden es schön, wenn der Vorgarten oder die Nebenstraße frei von grünen Pflänzchen sind.

Es gibt kaum eine leblosere Nutzfläche als einen Maisacker. Und jedes Jahr sprühen Landwirte mehr als 30 000 Tonnen Pflanzenschutzmittel auf ihre Felder. Wollen wir wirklich so weitermachen? Pro Jahr werden auf einem Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche durchschnittlich 8,8 Kilogramm Pestizide verteilt. Rund 40 Prozent entfallen davon auf Herbizide, die auf so genannte Ackerunkräuter abzielen und damit die Nahrungsgrundlage von Insekten und Vögeln abtöten.

Die EU-Politik muss sich ändern, richtig, denn seitdem EU Recht in den Ländern Polen, Bulgarien und Lettland gilt, seitdem schwinden auch dort die Vogelbestände in rasender Geschwindigkeit. Ziel der europäischen Landwirtschaftspolitik muss es aber werden, die dezentrale, kleinteilige Art der Produktion zu fördern – und nicht mit dem Gießkannenprinzip dafür zu sorgen, dass weiter wie bisher geackert und gemäht wird. Sonst verstummen noch mehr Vögel, und das können selbst die eingefleischtesten Landwirte nicht wollen.

Ich hoffe, in Beelitz finden sich immer mehr Menschen, die diese dezentralen Forderungen unterstützen, Vielfalt statt Monotonie fordern und handeln. Lassen wir wachsen, was wächst – und bestaunen wir die Vielfalt des Wachstums.

Dr. Elke Seidel
Umweltmedizinerin
Stadtverordnete in Beelitz, Fraktionsvorsitzende Kreistag Potsdam-Mittelmark

Beelitz, Februar 2019

(privates Foto: Pflanze bricht durch den Asphalt)