Der unordentliche Wald

Der wunderschöne Herbst ist da – und es regnet zur Freude aller.

Das Laub liegt wunderschön unter den Bäumen und in den Hecken – und dort sollte es auch bis zum nächsten Frühjahr liegenbleiben. Dann ist es nämlich fast verrottet und wird neuen Humus bilden. Und die Kleinlebewesen und Insekten, die im Laubhaufen den Winter überdauern, können wieder zum Leben erwachen. Feuchtes Laub bleibt liegen und schützt den sonst kahlen Boden. Diese Mulchdecke hält das Wasser, das jetzt vom Himmel fällt, für lange Zeit fest und lässt es langsam versickern (falls unter ihm keine Betonfläche ist!). Machen Sie doch mal den Test im Garten und auf allen anderen öffentlichen Flächen. Lassen Sie die eine Seite unbehandelt, das Laub bleibt liegen, der sogenannte Rasen wird nicht mehr gemäht. Und auf der anderen Seite werkeln Sie wie gewohnt. Im Frühjahr erkennen Sie den Unterschied, und wenn Sie ehrlich sind, gefällt es Ihnen, wenn aus dem Laub auf einmal Blümchen sprießen. „Unordnung des Waldes“ nennt man das, es hilft der Natur sehr – und auch für den Menschen kommt ein gesünderes Mikroklima heraus. Ich fordere Sie auf, lassen Sie die Besen stehen, und bitte, nehmen Sie auch den Laubbläser nicht zur Hand.

Der Kampf ums Wasser beginnt und geht auch in der nächsten Zeit weiter. Das Grundwasser wird knapp. Das sehen wir in unserer nächsten Umgebung – der Seddiner See verlandet, die Nieplitz führt in jedem Jahr weniger Wasser. Prof. Hüttl vom Geoforschungsinstitut Potsdam führte in einem Interview aus, dass unserer gesamten Erde Milliarden m³ Wasser fehlen, auch wenn es jetzt regnet, braucht es sehr lange, bis die Grundwasserreserven sich erholen.  Und da erscheint es illusorisch, verlandende Seen mit Wasserzufuhr Linderung verschaffen zu wollen. Das Wasser fehlt überall. Der Förderverein für den Seddiner See hat ein löbliches Ziel, aber mit einer einfachen Überführung von Wasser ist es nicht getan. Vor 10 Jahren gab es bereits einen Förderverein für den See, dessen Arbeit aber ohne Erfolg blieb. Wir können nur dauerhafte Grundwasseranreicherung erreichen, wenn es uns gelingt, mit einer dauerhaften, mehrstöckigen Vegetation eine normale Wasserzirkulation im kleinen Kreislauf zu erreichen. Vor Jahren schon beschrieb ich Ihnen in den Beelitzer Nachrichten die Wanderausstellung „Wasser schenkt Leben“, die uns verdeutlichte, wie der natürliche Wasserkreislauf funktioniert, wie er durch den Menschen gestört wurde und wie wir arbeiten müssen, um den Kreislauf zu schließen. Mit dieser Zerstörung haben wir alles erreicht, was zur Wasserverarmung führt: Verarmung an Humus, großflächige Landwirtschaft, Erosionen durch Wind und Wasser, kahle Flächen. Und nur wenn wir diesen Weg umkehren und wieder eine geschlossene Vegetation erreichen, kann auch das Wasser gesunden. Sie kennen doch die Geschichte vom „Mann, der Bäume pflanzte“? von Jean Giono? Dann schauen Sie sie sich auf YouTube an. Am Ende der Geschichte schuf der Mann Wälder und Quellen und sprudelnde Bäche und machte verlorene Orte wieder lebenswert.  Machen Sie mit, erhalten Sie die natürlichen Lebensgrundlagen.  Heute las ich, dass nun auch Gerichte Grundwasserentnahmen in Größenordnungen für Beregnungsanlagen in der Landwirtschaft stoppen, weil die Wirkungen auf das Grundwasser nicht allumfassend und ausreichend untersucht wurde. Wir werden sehen, ob diese Einstellung Bestand hat und was die weiteren Prüfungen im Widerspruchsverfahren ergeben.  

Übrigens: Ich glaube die Redaktion der Beelitzer Nachrichten hat in der letzten Ausgabe etwas nicht ganz eindeutig dargestellt. Werden jetzt alle politischen Äußerungen, die nicht dem Massengeschmack entsprechen, unterdrückt? Die Gesellschaft lebt vom politischen Disput, vom Austausch der Argumente – nur die Vielfalt bringt das beste Ergebnis. Schon Pablo Picasso sagte: „Wenn es nur eine Wahrheit gäbe, könnte man nicht hundert Bilder über dasselbe Thema malen“.

Ich wünsche Ihnen einen wunderschönen Herbst, bleiben Sie gesund und lassen Sie die Natur natürlich sein.  Wir sehen uns nach den Coronazeiten wieder. Oder wir treffen uns bei einer Videokonferenz, die es ja jetzt überall gibt und zu der jeder einladen kann. Hoffentlich auch bald dauerhaft im Raum der Stadtverordneten, einzelne Sitzungen machen wir ja einfach schon von uns aus.  Dabei ist es so einfach. Und Spaß macht es auch noch. Ich verbleibe mit sonnen-energi(E )schen Grüßen
Ihre ELKE SEIDEL www.elke-seidel.de

(Bild von Lolame auf Pixabay )