Keine Chance mehr für Bäume, ehrwürdig alt zu werden – aber: Die Natur verhandelt nicht – es sind Menschen

Liebe Beelitzer,

Alexander von Humboldt (1769-1859, Naturforscher von universeller Bildung, behandelte die Beziehungen zwischen Natur und Gesellschaft) übermittelt uns folgende Worte: „Die Feindschaft gegen den Baum ist ein Zeichen der niederen Gesinnung des Einzelnen und der Minderwertigkeit eines Volkes“. Wie kommt er zu dieser Aussage? Kannte er damals die Kettensägen schon? Woher kommt dieser Umgang mit der Natur? Weil sie stärker ist als wir?

Unsere Bäume übernehmen genauso wie jegliches Wildkraut, wie Hecke und sonstige Vegetation eine wichtige Rolle, um unser Überleben auf dieser EINEn ERDE zu ermöglichen. Der Baum produziert Sauerstoff, verarbeitet Kohlendioxid, filtert Staub, und Bakterien und Pilze bleiben an den Blättern hängen. Er befeuchtet die Luft und baut Holz auf. Alle weiteren Wundertaten des Baumes entnehmen Sie bitte der gestalteten Buche, die ich in einer Gaststätte im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin entdeckt habe und die am Anfang grafisch dargestellt wurde.

Die Brücker Straße soll vom Kreisel aus in Richtung Reesdorf grundhaft ausgebaut und für den Verkehr (insbesondere Umgehungsverkehr, denn der innerörtliche Quell- und Zielverkehr braucht keinen grundhaften Ausbau) ertüchtigt werden. Der Aufschrei, dass die Eichen gefällt werden sollen, erreicht die Anwohner wenig, denn sie wollen so wenig Laub und Arbeit wie möglich. Aber die Bedeutung und die Arbeit alter Bäume ist nicht gering zu schätzen. Bei dem Gespräch Ende September im Landesbetrieb Straßenwesen mit dem Zuständigen, das ich vermittelt habe, brachten wir alle Argumente auf den Tisch, die für den Erhalt der Bäume sprechen, der Landesbetrieb brachte seine Argumente auf den Tisch, weshalb nur eine Seite erhalten werden kann (wenn auch gelichtet). Nach langem Hin und Her erscheint es scheinheilig, wenn wir darauf bestehen, jetzt keinen einzigen Baum zu fällen, aber wissen, dass durch den grundhaften Ausbau die Wurzeln der Bäume so geschädigt werden, dass sie die nächsten fünf Jahre dann wirklich nicht mehr überstehen. Wir konnten, dank meiner Hartnäckigkeit, die Zusage erringen, in Beelitz statt der vorgesehenen 8 Bäume vor Ort über 200 Bäume plus mehr in Beelitz zu pflanzen. Dazu braucht es aber nachgewiesene kommunale Flächen durch die Verwaltung, die zur Pflanzzeit bereitstehen. Das wollten wir mit unserem Antrag in der Stadtverordnetenversammlung (Verbindungswege zwischen den Ortsteilen) erreichen und werden einen Flächenpool in einem nächsten Antrag thematisieren. Die Zusage des Landesbetriebes ist da, Pflanzungen über das ursprüngliche Maß hinaus in Beelitz zu tätigen, nun müssen wir aber tätig werden und die Verwaltung muss die Flächen herausfiltern – so wie ein alter Baum es mit dem Staub tut.  Und noch ein anderes Anliegen wurde vom Straßenbetrieb positiv aufgenommen: Die Informationen der Kommunen (nicht nur der Verwaltung, sondern der BÜRGER) muss frühzeitiger erfolgen. Denn die Planungen, die uns vorgestellt wurden, wurden in dieser Form nicht in den Ausschüssen der Stadt beraten und bestehen schon seit Jahren! Nur wer allumfassend informiert ist, kann sich eine Meinung bilden!  

Liebe Mitbürger, schauen Sie sich bitte einmal die „Unordnung“ unter den Bäumen im Wald an, die Humus für die Pflanzen schafft, Regen- und Tauwasser zurückhält, Mikroorganismen zulässt, den Boden auflockert und den natürlichen Kreislauf gewährleistet. Warum herrscht auf den Baumscheiben oder in den Gärten im besiedelten Raum und auf den Dörfern nicht auch diese „Unordnung“, um uns und den (vorhandenen) Bäumen und Sträuchern das Leben und Gedeihen zu erleichtern? Ich möchte Ihnen das Studium dieses Baumes ans Herz legen und freue mich, mit Ihnen im Frühling wieder dem Wachsen der Bäume zuzusehen.

Mit sonnen-energi(e)schen Grüßen Ihre Dr. Elke Seidel
Umweltmedizinerin
01.10.2020
(Bild von jplenio auf Pixabay.com)