Retten wir den Seddiner See Oder: Aqua vitam donat Wasser schenkt Leben

„Wir werden einen grundlegend neuen Denkansatz brauchen, wenn die Menschheit überleben soll.“ Albert Einstein

Wir alle leben schon lange über unsere Verhältnisse auf Kosten der übrigen Welt. Das Land ist billig, die Bodenschätze sind billig, noch ist das Wasser billig, und die Luft kostet ja noch gar nichts. Die Natur hat es aber anders eingerichtet. Die funktionierende Natur macht uns vor, wie man in den Grenzen der Natur arbeiten, leben, wohnen und sich ernähren kann – ohne Wohlstand zu verlieren.
Die Natur arbeitet nachhaltig -(Nach W. Ripl und K.-D. Wolter TU Berlin, Fachgebiet Limnologie)

Wir Menschen haben diesen kurzgeschlossenen Wasserkreislauf zerstört und befördern damit die Mineralien und Nährstoffe durch Wind und Regen fort. Das Land trocknet aus und es altert. Die intelligente Gesellschaft, die wir ja sein wollen, muss aber die lokalen Kreisläufe in den Grenzen der Natur wieder schließen. Wir brauchen kreative Perspektiven für eine Neustrukturierung der Verknüpfungen von Stadt und Land, denn wir hängen zusammen, hängen voneinander ab und sind aufeinander angewiesen.
Und auch bei der Rettung der Seen in unserem Lande müssen wir endlich umdenken lernen. Denn nicht nur der Seddiner See braucht Hilfe. Hilfe, die wir ihm geben müssen – aber werden wir es schaffen?
Durch die nachgewiesene Erhöhung der Durchschnittstemperaturen verdunstet mehr Wasser aus allen offenen Wasserflächen, die nicht durch ein dichtes Blätterdach geschützt sind. Einen See kann man nicht mit einem geschlossenen Blätterdach überdachen. Oder doch? Haben wir es schon mal probiert? So wie die Alleendächer die Straße kühlen, so könnten auch Blätterdächer Teile der Seen überschatten, für Kühle sorgen und den Menschen vor Sonnenbrand schützen.
Das gesamte Gebiet um den Seddiner See herum kann großräumig durch strukturierende Maßnahmen nur an Qualität gewinnen. Kleinflächige landwirtschaftliche Nutzung, umsäumt von Hecken, Baumpflanzungen, Alleen entlang der Wirtschaftswege. So kann das Wasser im Boden bleiben, ein Schutz vor Winderosionen entsteht, durch die herabfallenden Blätter kann sich großflächig Humus bilden. Es gibt keine Alternative gegen die Wiederherstellung des Landschaftswasserhaushaltes. Wir haben ihn lange genug zerstört. Nun bauen wir ihn – mit einem Förderverein für einen See – wieder auf.  Jeder Weg ist richtig und muss begangen werden. Wir alle können helfen. Wir sollen aber dabei nicht die technischen Lösungen, mit denen wir bisher dagegen arbeiten, vergessen. Die langen Abwasserkanäle müssen zurückgebaut werden. Und die Ortschaften, die ein Wasserwerk aufweisen, müssen in einer ortsbezogenen Kleinkläranlage (am besten Pflanzenkläranlage) ihr sonst nach Beelitz abgepumptes „Abwasser (sollte es nicht besser „Nutzwasser“ heißen?) vor Ort reinigen und dann in diese Landschaft wieder entlassen und dem Boden zurückgeben. Das betrifft Fichtenwalde genauso wie Seddin oder die noch nicht angeschlossenen Dörfer Schäpe und Reesdorf.

Sind diese Anforderungen so weltfremd? NEIN, denn es gibt bereits gute Beispiele. Die Grenzelwiesen an der Nieplitz bei Beelitz sind wiedervernässt. Ein Altarm der früher mäandrierenden Nieplitz ist eröffnet, durchfließt die Grenzelwiesen und trifft sich dann mit der begradigten Nieplitz wieder. Warum wurde dies möglich? Durch die Aktivitäten des Landwirts F. Er sagte: „Mit dieser Maßnahme will ich der Natur etwas zurückgeben, was (auch) ich ihr jahrelang entrissen habe“.
Wenn wir alle so dächten, können wir es schaffen. Ich rufe Sie auf, dabei zu sein.
Fangen wir an (machen wir weiter), pflanzen wir jeden Tag einen Baum oder eine Hecke– so viel Zeit und Fläche muss sein. Ich verlange von der Politik auf allen Ebenen ein Vorausdenken, ein Wissen-was-man-tut – oder eben nicht tut.
Damit dies zum alltäglichen Handwerk wird – dafür setze ich mich ein.
Mit sonnen-energi(E )schen Grüßen Ihre  Dr. ELKE SEIDEL, Umweltmedizinerin, Politikerin, Beelitz und Landkreis
Jeder ist verantwortlich für das, was er tut – und er ist verantwortlich für das, was er nicht tut. Laotse

Beelitz, den 04.01.2021

(Foto von Sasin Tipchai auf Pixabay)