Sommer 2018 – gekommen, um zu bleiben

So haben Sie es in den Medien gelesen und sich gewundert, was das heißen soll. Die Medien erzählen vieles, und manches ist richtig und manches ist wahr und manches durch „Fehlen von Fakten“ verzerrt. Aber mit dieser Überschrift haben die Zeitungen beschrieben, was sich seit 2018 (und schon lange davor) andeutete. Es wird heißer, trockener und unsere Natur ist im Umschwung. Die Versteppung der Landschaft ist nicht zu leugnen. Wir sehen es jeden Tag vor dem eigenen Fenster und der eigenen Haustür: Entweder prasselt der Regen, oder das Feld wandert durch den Wind aufgewirbelt übers Land, oder die Sonne sticht vom Himmel. Die Niederschlagsdefizite der letzten Jahrzehnte sind noch nicht wieder aufgefüllt – werden sie es jemals wieder sein?  Der Kampf ums Wasser hat schon lange auch in Deutschland und bei uns begonnen. Agieren wir alle immer richtig, wenn wir jede Vegetation vor unserem Gartenzaun (und noch schlimmer im Garten oder auf den Feldern) tilgen, weil sie von selber gewachsen ist? Jede Vegetation bewirkt, dass sich an ihr Tau absetzen kann, dass Wasser im Boden mehr gehalten wird als unter einer reinen Sandfläche. Wann erkennen wir, dass nur eine flächendeckende Vegetation in allen Varianten vom Baum über Strauch und Stauden und bodenbedeckende Pflanzen den kleinen Wasserkreislauf erhalten, damit Mineralien und Verdunstung sparen, Verdunstungskühle bringen und die Temperaturen regulieren kann? In der Ausstellung „Aqua donat vitam – Wasser schenkt Leben“ werden die Faktoren aufgezeigt. Reichen einige Brunnen in der Stadt wirklich aus, um eine Abkühlung im Hitzestress zu erlangen? Ich denke nein. Wir müssen jede Fläche begrünen – jedes Dach, jede Hausecke, jeden freien Platz in der Stadt und umdenken. Es fehlen fließendes Wasser in der Stadt und die kühlen Schatten der alten Bäume. Und auch im Gefahrenabwehrplan der Stadt, den die Stadtverordneten evtl. noch beschließen werden, stehen unter dem Punkt: „Hitze- und Dürreperioden mit Missernten und/oder Trinkwassermangel“. Eine Wahrscheinlichkeit für Hitze und Dürren ist nicht bekannt. Ich denke, da müssen wir langsam umdenken. Dieser Punkt sollte verändert werden. Denn nach den Hitzesommern 2003, 2015 und 2018 kommen die nächsten Hitzewellen. Missernten sind an der Tagesordnung, die Hilfe für den Menschen muss in einem Gefahrenplan der Stadt auftauchen. Meine Fraktion wird die Ergänzung beantragen.  

Energiewende – bürgernah und von unten, mit Solarrendite

So klang es in den Reihen der ersten Bürgersolaranlage Brandenburgs, die wir gemeinsam 2004 in Beelitz ans Netz brachten. Und Ende des Jahres fallen die ersten PV-Anlagen, die auch in Beelitz Strom erzeugen, aus der Einspeisevergütung heraus. Das heißt, für diese Altanlagen muss der Gesetzgeber eine Folgelösung finden. Denn die Anlagen sind noch voll funktionsfähig, sie erzeugen Strom und Strom und Strom – umsonst aus Sonnenlicht. Und das bestimmt noch viele Jahre lang. Der Energieversorger bietet im Moment Lösungen an, für die man sich entscheiden kann. Die einzig sinnvollste ist dabei der Eigenverbrauch (auch E-Mobil) mit Speicher in Kombination mit der Direktvermarktung des Reststromes. Es ist noch unklar, wie der Versorger den Reststrom vergüten wird, ebenso ist noch unklar, wer alles – auch in unserer Region – als Direktvermarkter auftreten wird. Der Direktvermarkter kauft die Restmengen oder den gesamten Ertrag von Anlagen auf und vermarktet ihn an der Börse. Im Grunde eine Art virtuelle Kraftwerke, die dann gesteuert den Ausfall der konventionellen Kraftwerke mit Kohle und Atom übernehmen. Ich sage Ihnen, die EDIS kann das. Unsere ARGE erneuerbare Energien hat bereits 2006 die Leitwarte in Potsdam besichtigt und gezeigt bekommen, wie es funktioniert. Es wird zeitnah der Verbrauch in den einzelnen Abnahmebereichen (Zellen) angeschaut und auf der Gegenseite die Einspeisung von Strom aus Sonne, Wind, Wasser, Biogas und BHKW gemanagt. Es funktioniert, und wir hätten schon lange ein funktionierendes Erneuerbares Aufnahmenetz ohne Atom- und Kohlestrom – wenn es politisch gewollt wäre! Ich hoffe immer noch auf unsere Beelitzer Stadtwerke, die Wärme und Strom im Auftrag haben. Ob sie sich der Direktvermarktung von erneuerbarem Strom aus unserem Gebiet annehmen? Denn Jahr für Jahr fallen viele der Anlagen aus der Vergütung und stehen dann zur Verfügung. Packen wir es an! Nichts ist unmöglich!

Und noch zum Abschluss: Ich freue mich, dass meine Artikel gelesen werden. Ich freue mich und bin dankbar, wenn ich Anregungen, Hinweise und Ergänzungen für meine Inhalte bekomme.  So ist es auch in den letzten BN geschehen- die Hinweise kamen gleichzeitig mit der Veröffentlichung durch die Redaktion. Der Platz hat vielleicht nicht gereicht oder die Zeit war zu kurz für tiefergehende Recherchen, um die ganze Planungshoheit, die die Stadt hat, zu erläutern. Es ist dringliche Aufgabe der Stadt, den Innenbereich zu entwickeln. Laut Baugesetzbuch und in allen Planungsverfahren werden auch private Grundstücke überplant. Und damit die Überplanung gelingt, kann und muss man als Verwaltung mit dem Besitzer ins Gespräch kommen. Die Planung bewirkt keinen Abriss, sondern führt zur Entwicklung – der Private nutzt sein Gelände bis zur Umwandlung in eine andere Nutzung. Das Baugesetzbuch ist ein Dschungel, aber er birgt viele Möglichkeiten für eine gute und zielgerichtete städtebauliche Entwicklung. Und sagen Sie ehrlich, gehört ein Industriebetrieb in die Innenstadt? Das Gebiet ist so gewachsen, von der beim Entstehen außerhalb der Stadt gelegenen „Musbude“ über den Betrieb Havelland (Beelitzer Kindernahrung BeKina) und Struik Food.  Damals gab es die umgebenden Wohnungen noch nicht. Jetzt sucht der Eigentümer neue Investoren – und jetzt kann die Stadt handeln. Sehen wir doch die Chancen, die sich aus einer Umnutzung und Gestaltungsmöglichkeit des Industriegeländes ergeben! Und seit wann sind Äußerungen Vorwürfe?

Ihre ELKE SEIDEL
Stadtverordnete und Kreistagsmitglied, Umweltmedizinerin und Pulmologin, Energieexpertin

Beelitz, 2.6.2020

(Foto: Tumisu auf Pixabay)