Talanoa ist das traditionelle Verhandlungskonzept, mit dem Fidschi als Gipfelleiter auf der vergangenen Weltklimakonferenz in Bonn verhandeln lassen will: Man sitzt so lange zusammen, bis alle zusammen eine Lösung finden. Das  wurde also 2017 in Bonn und dann auch 2018 in Katowice  geprobt. Und wie sahen die Ergebnisse aus? Sie können sich bei dem Umbruch in der Welt nicht sehen lassen. Wie ernst nehmen wir alle als BürgerInnen und als Politiker und als Handelnde den Klimawandel?  Nur Papier und leere Worte. Der Klimawandel bedroht unsere Sicherheit. Und auf der letzten Sicherheitskonferenz, auf der Frau Merkel geredet hat, nahm sie das Wort Klimawandel nicht einmal in den Mund, aber sie redete von gesteuerten Jugendlichen, die plötzlich auf die Straße gingen. Was ist da so verkehrt daran? Die Jugendlichen, die Kinder und die Ungeborenen müssen ausbaden, was wir heute und schon gestern angerichtet haben. Ich hoffe, dass auch die Schülerinnen und Schüler in Beelitz endlich verlässliche Klimaschutzmaßnahmen – auch hier bei uns auf dem Lande – fordern.  Ich will sie nicht aufzählen und Sie nicht von der Verantwortung befreien, selbst kreative Maßnahmen umzusetzen.  Fichtenwalde ist ein Beispiel dafür.  Umgeben von Kiefernwäldern  werden dennoch viele viele Bäume im Ort gefällt und die Bauparzelle frei von „Gestrüpp“ gemacht.  Wozu? Um dann einen englischen Rasen einzusäen, zu düngen, zu vertikutieren und mit Chemikalien frei von jedem Wildkraut zu halten. Blumen oder blühende Pflanzen sieht man auf einem solchen Rasen nicht. Und sollte sich mal ein Gänseblümchen unter dem Rasenmäher entwickeln, wird es ausgestochen. Ich will Sie nicht dafür verurteilen, Sie haben es nie anders kennengelernt. Aber ich bitte Sie, halten Sie doch mal inne. Schauen Sie sich den Boden außerhalb der Rasenflächen an. Wachsen nicht auch da interessante Pflanzen? Und blühen sie nicht sehr intensiv?

Ich wollte ja gar nicht über Unordnung im Garten reden, aber vielleicht wäre das ein mögliches erstes Thema,  bei dem wir die Talanoa-Technik einsetzen können. Ein Versuch wäre es wert!

Das nächste Thema ist die nächste Hitzeperiode oder Durststrecke, die uns bevorsteht. Prüfen Sie doch einmal Ihre Umgebung. Gibt es noch genug große schattenspendende Bäume, gibt es noch schattige Eckchen, in denen man sich ausruhen kann? Gibt es Wasser in der Stadt? Die Brunnen in der Stadt sind zwar hübsch und ein erster Anfang,  und es fehlt fließendes Wasser, Matschecken, wo Kinder im Sand und mit Wasser spielen und sich da bei abkühlen können. Lasst uns doch mal solche Flecken suchen und ausbauen. Denn das Wasser sollte versickern und durch Verdunstung Kühle erzeugen – und wenn dann noch eine Vegetation dabei ist, wunderbar.  Willi Rippl, ein in Kleinmachnow wohnender Wissenschaftler, der mit seinem Lehrstuhl in Berlin die Wanderausstellung „Aqua donat vitam“  (Wasser schenkt Leben) entwickelte, die ich vor Jahren im Rathaus Beelitz ausstellte, beschreibt darin seine Rippl-Kühlung. Diese Kühlung können Sie erfahren, wenn Sie durch einen Laubwald gehen, der mit Sträuchern und Stauden durchwachsen ist und damit  alle drei und vier Etagen der schattenspendenden Vegetation darstellt. In solchen Bereichen wird zugelassen, dass die Sonne von oben wärmt, das Wasser kann kondensieren und verdunsten und kühlen. Auf dem freien Feld kondensiert nix, denn da fehlen die schattenspendenden Gehölze. Hier greift höchstens der Wind an und vermehrt die Erosion, der Wind bläst und spült den Humus vom Acker (und wir müssen wieder Chemie zur Düngung einsetzen). Also ein Kreislauf, der immer schneller wird, wenn wir nicht lernen, mit den Ressourcen nachhaltig und schonend umzugehen.  Schon vor Jahre entwickelte ein Politiker der Grünen ein Steuersystem, das nicht die Arbeit und die Zeit besteuert, sondern den Verbrauch an Ressourcen wie Wasser, Luft, Boden, Kohle.  Denn wer Ressourcen verbraucht, sollte dafür bezahlen. Aber dafür ist die Zeit wohl noch nicht reif.  Wollen wir nicht ein Treffen gestalten und forschen, in welcher Menge  Arzneimittel oder Antibiotika oder Hormone  aus unserer Kläranlage in die Nieplitz abgegeben wird? Oder messen wir doch, wie viele Kubikmeter Trinkwasser in Fichtenwalde aus dem Boden geholt wird, das dann als Abwasser nach Beelitz und von dort in die Nieplitz fließt und fortgeführt wird? Der Grundwasserpegel in Fichtenwalde sinkt, und die Brunnen müssen immer tiefer gebohrt werden. Gibt es da wirklich keine nachhaltigen Lösungen?

Sie sehen, es hängt alles mit allem zusammen. Und jeder Baum der gefällt wird, ist einer zu viel. Und jede Rasenfläche ohne Schatten und Blumen ist eine zu viel. Wir erleben jetzt Ungehorsam der Schülerinnen und Schüler bei Freitagsdemonstrationen. Fangen wir doch an, den Ungehorsam im Garten umzusetzen – Unordnung gibt es in der Natur nicht, denn alles hat seinen Sinn.

Ich wünsche Ihnen eine nachdenkliche Zeit und verbleibe mit sonnen-energi(E )schen Grüßen Ihre ELKE SEIDEL
Stadtverordnete Beelitz, Kreistagsmitglied Potsdam-Mittelmark und Kandidatin für beides zur Kommunalwahl,  01.03.2019

Die Zeit der Kohle ist vorbei, jetzt ist Zeit für die erneuerbaren Energien.  

Foto privat, Grüne Mitgliederversammlung mit Apfelbaum